Ausbau des Übertragungsnetzes kostet weitere 17 Milliarden Euro

von Wolfgang Ruch

Am 16.11.2020 hat der Wirtschaftsausschuss des Bundestages Experten zum Stromnetzausbau angehört. Grund war die Umsetzung des von der Bundesnetzagentur bestätigten Netzentwicklungsplanes Strom 2030 in Gesetzesform. Dazu hat die Bundesregierungen den Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesbedarfsplangesetzes (BBPlG) in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht. Der aktualisierte NEP Strom sieht 35 neue und acht geänderte Netzausbauvorhaben vor. Die zusätzlichen Investitionskosten werden 17,3 Mrd. € betragen.

Jochen Homann, seit 2012 Präsident der Bundesnetzagentur, sieht in dem Gesetzentwurf einen weiteren wichtigen Beitrag zur Beschleunigung des Ausbaus der Übertragungsnetze und somit zu einer erfolgreichen Energiewende. Für Oliver Brückl von der Technische Hochschule Regensburg ist der Ausbau der Übertragungsnetze die effizienteste und kostengünstigste Form zur Umsetzung der Energiewende. Der Verzicht auf den Ausbau der Übertragungsnetze bedeutet eine noch stärkere dezentrale Erzeugung mit daraus resultierenden höheren Flächen- und Ressourcenverbrauch, mehr elektrischen Verlusten und der Errichtung von zusätzlichen Speichern. Dies verursache eine stärkere Umweltbelastung und höhere Kosten.

Herbert Barthel vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) hat dazu eine alternative Meinung. Er fordert dezentrale, lokale und regionale Stromerzeugung und geht davon aus, dass sich damit die Belastung von Natur und Umwelt verringern ließe. Er lehnt daher die Verabschiedung des Gesetzentwurfes ab und fordert alternativ einen Planungs- und Gesetzgebungsprozess für ein dezentrales Energiekonzept in Deutschland.

Der Vorsitzende der Transnet BW Geschäftsführung, Werner Götz, sieht durch die fehlende Stromnetzinfrastruktur einen Engpass für die Dekarbonisierungsbestrebungen der süddeutschen Industrieunternehmen. Der Umstieg von konventionellen Energieträgern und Rohstoffen auf Strom und Wasserstoff erfordert perspektivisch sogar noch eine weitere HGÜ-Leitung. Das Projekt SuedLink3 zwischen Heide/West und Altbach ist die minimalinvasivste und kosteneffizienteste Lösung sowohl gegenüber einem gänzlich neuen Korridor als auch gegenüber einer zeitlich versetzen Umsetzung zu SuedLink 1 und 2.

Nadine Bethge von der DUH (Deutsche Umwelthilfe) sprach über die die dezentrale Energieerzeugung als Alternative zum Stromleitungsbau. Dazu seien dezentrale Speicher notwendig und die Bereitschaft teurere, lokale Strommärkte zu akzeptieren. Dezentrale Energieerzeugung könne den Stromnetzausbau im Übertragungsnetz nicht ersetzen. Sie wies darauf hin, dass bereits jetzt die Geschwindigkeit des Aus- und Umbaus der Stromnetze zu langsam sei und die Gefahr eines überdimensionierten Netzausbaus nicht bestehe.

Dies bestätigten auch die Experten Michael Ritzau vom BET (Büro für Energiewirtschaft und technische Planung) und Felix Müsgens (Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg). Die Fachleute gehen davon aus, dass die Erhöhung der generellen Ausbauziele für die Stromerzeugung aus regenerativen Energien in Verbindung mit der Anhebung des Offshore-Ausbauziels von 20 GW auf 40 GW einen Ausbau der Übertragungsnetze erfordere. Die Nutzung der besten Windstandorte ermöglicht günstigere Produktionskosten und dies führt zu niedrigeren Strompreisen im Norden Deutschlands.

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